CfP für die Jahrestagung der GKJF 2018

Call for Papers für die 31. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung (GKJF) 31.5-2.6.2018 Haus auf der Alb / Bad Urach

Parole(n) – Politische Dimensionen und ideologische Interferenzen von Kinder- und Jugendliteratur/-medien

Kinder- und Jugendliteratur und -medien sind in vielfältiger Weise in politische und ideologische Horizonte eingespannt. Teils dezidiert und explizit, wenn es im Literatursystem um die Vermittlung politisch-ideologischer Positionen oder – in kritischer Auseinandersetzung damit – um politische Aufklärung geht und ging, teils implizit, bezieht man beispielsweise die sich in vielen Texten und Bildern findenden normierenden und stereotypen Einschreibungen ein, teils unterschwellig, wenn man an die Lesarten etwa der parabolischen Literatur bis hin zur Fantasy denkt, deren Bildsprache auf diese Dimensionen politischer Anspielungen hin ausgedeutet werden kann.

Eine jüngst medial geführte Debatte die sich an Textrevisionen bei Otfried Preußlers Die kleine Hexe oder Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf entzündete, erwies sich als wenig historisch und diskurskritisch fundiert. Vielmehr zeigte sich, dass es im Kern um die grundlegende Verortung von Kinder- und Jugendliteratur ging, die am Grad ihrer political correctness bemessen zu werden schien. Die stark polarisierte Auseinandersetzung ist allerdings insofern von Interesse, als sie auf ein Desiderat der Kinder- und Jugendliteraturforschung verweist, die sich mit Fragen politischer Positionen und ideologischer Einschreibungen in den letzten Jahrzehnten vor allem im Zusammenhang mit historischen Schnittstellen beschäftigt hat (so z.B. Erster Weltkrieg, Nationalsozialismus oder ¸Wende‘; ebenso mit Epochenphänomenen wie Globalisierung, Migration und Vertreibung). Fragen nach dem ‚falschen Bewusstsein‘, wie sie im Zuge der 1968er bzw. der Rezeption der Kritischen Theorie gestellt wurden, erscheinen (offenbar) nicht mehr ‚zeitgemäß‘, obwohl die sozialwissenschaftliche Forschung den Ideologiebegriff weitgehend entstaubt und ausdifferenziert hat.

Eine kulturwissenschaftlich ausgerichtete Reflexion über politische Dimensionen und ideologische Interferenzen steht indes aus. Die Jahrestagung 2018 der GKJF hat sich zum Ziel gesetzt, eine theoretisch fundierte Diskussion über die ideologischen Interferenzen und politischen Dimensionen von Kinder- und Jugendliteratur und ihren Medien anzustoßen. Nicht die Korrektheit einzelner Werke steht also im Mittelpunkt, sondern die Diskursivierung politischer Einschreibungen und Positionen in pädagogischer und poetologischer Sichtweise.

In deren Mittelpunkt zu stellen wären z.B. Konzepte und Konstruktionen, wie sie beispielsweise literarisch-medialen Welten eingeschrieben sind (etwa Utopien / Dystopien, Future Fiction); Fragen der Lenkung und Zensur (hier besteht in der Forschung eine Fokussierung auf Texte aus dem NS und ebenso aus der DDR; wenig untersucht sind hingegen Eingriffe, Verbote oder konventionalisierte Vorgaben, so z.B. von Verlagsseite, bei Texten, die nach 1945 auf dem deutschsprachigen Buchmarkt der Bundesrepublik Deutschland, Österreichs und der Schweiz erschienen sind.) Eine kritische Debatte wäre zu führen über ideologische Implikationen, die den Vorgaben des Literatur- und Medienbetriebs geschuldet sind (Wirkkraft von Medienverbünden, Normierungstendenzen durch Formate, ebenso poetologische Fragen bezogen auf Schreibvorgaben im Rahmen des Creative Writings) oder wirkmächtige Normierungen, wie man sie im Zuge der political correctness beobachten kann.

Nicht nur 50 Jahre nach 1968 und angesichts der aktuellen ‚Wiederkehr’ des Ideologischen, sondern insbesondere nach dem kulturwissenschaftlichen Turn in den Geisteswissenschaften stellen sich die Fragen nach politischen und ideologischen Einschreibungen in das kinder- und jugendliterarische System unter neuer Perspektive. Dabei stehen literarästhetische Aspekte ebenso im Mittelpunkt wie pädagogische Diskurse oder interdisziplinäre Vernetzungen. Gefragt wird nach theoretisch fundierten Beiträgen, die sich mit Fragen der Ideologie in historischer wie gegenwärtiger KJL und KJL-Forschung beschäftigen und diese mit kulturwissenschaftlicher Perspektive neu ausrichten.

Mögliche Themen – immer mit Bezug auf die Kinder- und Jugendliteratur/-medienforschung – sind:

  • Positionen der Forschung in historischer wie gegenwärtiger Perspektive
  • Ideologie und Ideologiekritik
  • Paradigmenwechsel (’45 – ’68 – ’89)
  • Zensur und Lenkung
  • Gattungen und Genres: Historische und zeitgenössische KJL/M, die politische Themen und Inhalte bzw. ideologische Positionen und Haltungen fokussiert; ebenso problemorientierte Texte, politische Dimensionen parabolisch/allegorischer Formen (Fantasy, Tiererzählungen etc.), politische Konstrukte und ideologiekritische Warngeschichten in Utopie / Dystopie / Future Fiction. Weitere Gattungen: Theater, Lyrik
  • Bild-Medien: Film, Computerspiel, Bilderbuch …
  • Geschlechts-, Alters- und Generationenkonstruktionen (auch mit Bezug auf Aufklärungsbücher / Diskurse über kindliche Sexualität)
  • Literarischer Markt, Literatursystem(e), Medienverbünde
  • Effekte von kultureller Globalisierung, Renationalisierung und Kommerzialisierung

Wir hoffen auf Ihr reges Interesse und bitten um Zusendung von Vortragsangeboten (von maximal 30 Minuten Dauer) bis zum 10.01.2018.

Ihrem Vorschlag sollte ein kurzer Aufriss des Vortragsthemas beigefügt sein.

Bitte beachten Sie bei der Einreichung Ihrer Abstracts (von ca. 300 Wörtern) folgende Anforderungen:

Die Abstracts sollen in einer kurzen inhaltlichen Zusammenfassung den Bezug zu theoretischen Positionen herstellen sowie die Literatur und ggf. Primärquellen nennen, auf die sich der Vortrag stützt. Damit die Vorträge zu einem Programm im oben beschriebenen Sinn zusammengestellt werden können, sollte sich der geplante Vortrag einem der oben aufgelisteten Schwerpunkte zuordnen lassen.

Bitte senden Sie Ihre Vorschläge per E-Mail an: u.dettmar@em.uni-frankfurt.de

 

Call for Papers – Jahrbuch der Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung 2018

„Unter dem Pflaster liegt der Strand“ oder „Die Phantasie an die Macht“ – diese Slogans charakterisieren die ’68er-Bewegung, die kreativ, programmatisch und parolenreich ihre (gesamt)gesellschaftlichen Forderungen in die Öffentlichkeit trug. Nicht nur für die bundesrepublikanische Gesellschaft stellt das Jahr 1968 einen bedeutsamen Umbruch dar; vielmehr hat ’68 ebenso eine ost- wie westeuropäische und internationale Dimension. ’68 kann als Chiffre für Protestbewegungen (Kraushaar) verstanden werden, die ihre Strahlkraft in verschiedenste gesellschaftliche Dimensionen entfaltet haben. Die damit einhergehende Politisierung führte zur kritischen Bestandsaufnahme sowie Infragestellung bestehender institutioneller Ordnungen, der Geschlechter- und Generationsverhältnisse wie der individuellen Lebensführung. Literatur und Medien wurden einer kritischen Revision unterzogen und neue Formate und Schreibweisen etabliert; Traditionslinien wurden aufgebrochen bzw. unter neuen Paradigmen weitergeführt. Weiterlesen

Trauer um Otto Brunken

brunken_trauerIn tiefer Trauer nehmen wir Abschied von Prof. Dr. Otto Brunken; Otto Brunken zählte zu den Gründungsmitgliedern der Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung und war langjähriger Kustos der Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendmedienforschung (ALEKI) sowie außerplanmäßiger Professor am Institut für Deutsche Sprache und Literatur II an der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln. Weiterlesen

Zum Tod von Akad. Direktor i.R. Dr. Franz-Josef Payrhuber (1942–2017)

payerhuberDie Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung hat durch den Tod von Franz-Josef Payrhuber ein langjähriges, außerordentlich geschätztes Mitglied verloren. Er ist am 6. März 2017 in Worms verstorben. Hauptberuflich war Payrhuber bis zu seiner Pensionierung 2002 als Akademischer Direktor Leiter des Fachbereichs Deutsch am Institut für Lehrerfort- und -weiterbildung (ILF) Mainz. Seine fachlichen Schwerpunkte lagen im Bereich der Literatur, speziell des Dramas, der narrativen Kurzformen und der Lyrik. Er war langjähriger Mitherausgeber des Lexikons Kinder- und Jugendliteratur und hat sich vielfältig für die Förderung der Kinder- und Jugendliteratur(-forschung) eingesetzt.

Wir trauern um einen sehr geschätzten und engagierten Kollegen, der über lange Jahre die Tagungen der Gesellschaft besucht hat und mit seinen Beiträgen und Anregungen die Diskussionen sehr bereichert hat.

Gez. Dr. Claudia Maria Pecher

Call for Papers für die 30. Jahrestagung der GKJF (25.-27.05.2017 in Königswinter)

An Schnittstellen. Aktuelle Positionen und Perspektiven der Kinder- und Jugendmedienforschung

Im nächsten Jahr feiert die Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung (GKJF) ihr dreißigjähriges Bestehen – eine Erfolgsgeschichte, die zur Retrospektive wie zur Standortbestimmung Anlass gibt. In diesem Sinn soll die Tagung vor allem genutzt werden, um grundsätzliche Fragen der Kinder- und Jugendliteratur- und -medienforschung und ihrer Perspektiven zu diskutieren: sie in der Landschaft der Fächerdisziplinen zu verorten, unterschiedliche Theorieansätze zu erproben und ihre Beiträge zur literaturwissenschaftliche/n Kulturwissenschaft bzw. kulturwissenschaftlichen Literaturwissenschaft zu bestimmen. Grundlegende, theoriegeleitete und methodenreflektierte Vorträge stehen im Mittelpunkt; an ihnen sollen analytische Zugänge durchgespielt werden. Dabei geht es zum einen darum, den Standort von Kinder- und Jugendliteratur bzw. -medien (als Handlungs- und Symbolsystem) im kulturellen Archiv auszuloten; zum anderen bzw. vor diesem Hintergrund sollen Ziele gegenwärtiger Forschung diskutiert, hinterfragt sowie Aufgaben und Perspektiven zukünftiger Forschung entwickelt werden. Weiterlesen

Neues Jahrbuch der GKJF ab 2017

Mit dem Jahrbuch 2014/15 verabschieden sich die HerausgeberInnen Hans-Heino Ewers, Bernd Dolle-Weinkauff und Carola Pohlmann; dies ist das letzte unter ihrer Herausgeberschaft vorgelegte Jahrbuch Kinder- und Jugendliteraturforschung. Die GKJF dankt ihnen und dem Peter Lang Verlag für das große Engagement über viele Jahre!
Auf der Mitgliederversammlung der GKJF im Mai 2016 wurde mit großer Mehrheit beschlossen, dass das neu gestaltete Jahrbuch unter dem Titel Jahrbuch der Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung / GKJF ab der nächsten Ausgabe Ende 2017 online mit Open Access erscheinen wird, im Auftrag der GKJF in den nächsten beiden Jahren von Ute Dettmar, Gabriele von Glasenapp, Caroline Roeder, Emer O’Sullivan und Ingrid Tomkowiak herausgegeben.
Neu ist in jeder Ausgabe ein thematischer Schwerpunkt, für den jeweils per Call for Papers um Beitragseinsendungen gebeten wird. Der erste Schwerpunkt steht unter dem Titel Flucht und Migration.
Link zum Call for Papers
Außer dem thematischen Schwerpunkt soll es in jeder Ausgabe bis zu drei Beiträge zu aktuellen, historischen oder rein theoretischen Fragestellungen geben. Wie bisher werden Rezensionen eine Rubrik darstellen.

Veranstaltungshinweis: „Spielarten der Populärkultur“

Im Sommersemester 2016 werden das Institut für Jugendbuchforschung und das Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik der Goethe-Universität in Frankfurt am Main eine Ringvorlesung zum Thema „Spielarten der Populärkultur – ästhetische und didaktische Perspektiven“ ausrichten.

Populärkulturelle Phänomene spielen im Feld der Kinder- und Jugendliteratur und -medien eine herausragende Rolle. Populäre Figuren, Stoffe und Erzählweisen zirkulieren omnipräsent über Kultur-, Medien- und Altersgrenzen hinweg. Anspielungen auf den Kosmos des Populären finden sich beispielsweise im (postmodernen) Bilderbuch oder in Kinder- und Jugendmedienverbünden.

Die interdisziplinär ausgerichtete Ringvorlesung wird den vielfältigen Dynamiken im Austausch zwischen Fachwissenschaft und Fachdidaktik nachgehen. Literatur- und Medienwissenschaftler/-innen bzw. Literatur- und Mediendidaktiker/-innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz werden aktuelle populärkulturelle Verschränkungen anhand ganz unterschiedlicher Gegenstände sichtbar machen. Das Spektrum reicht von der Fantastischen Literatur über TV-Serien bis hin zum Computerspiel oder Musikvideoclip. Eröffnet wird die Ringvorlesung durch die geschäftsführende Direktorin des Instituts für Jugendbuchforschung, Prof. Dr. Ute Dettmar. In ihrem Vortrag, zugleich ihrer Antrittsvorlesung, mit dem Titel: „Kinder- und Jugendliteratur und Populärkultur: Eine Beziehungsgeschichte“, wird sie das spannungsreiche Verhältnis von Kinder- und Jugendliteratur und Populärkultur fokussieren. Ausgehend von der (Faszinations-)Geschichte dieser lange umkämpften Beziehung, wird sie Entwicklungen im seriellen und transmedialen Erzählen verfolgen und verdeutlichen, wo sich Figuren des populären Imaginären medial und intermedial begegnen. Weiterlesen

Aufklärer wider den Ungeist

Am 11. Oktober 2015 verstarb der Jugendliteraturforscher
Rüdiger Steinlein. 

Er war seit 1994 Mitglied im Arbeitskreis für
Jugendliteratur.

Unerwartet ist Prof. Dr. Rüdiger Steinlein mit 72 Jahren in Berlin gestorben – was für eine bestürzende Nachricht, was für ein Verlust für die Kinder- und Jugendliteraturforschung, zu deren Wegbereitern er gehörte und für die er insbesondere mit seinen historischen und zeitgeschichtlichen Studien grundlegende Beiträge geliefert hat.

In seiner Habilitationsschrift mit dem prägnanten Titel Die domestizierte Phantasie (1987) unterzog er Kinderliteratur und Kinderlektüre des 18. wie 19. Jahrhunderts einer profunden Untersuchung und verschränkte literaturpädagogischen Theorien mit lektürebiografischen Passagen aus Autobiografien und autobiografiegestützten Romanen des Untersuchungszeitraums. Mit dieser Arbeit entwarf Steinlein eine „Phänomenologie kindlicher Lektürelust“ unter diskurstheoretischen und psychoanalytisch fundierten Implikationen. Seine Untersuchung eröffnete das bislang wenig erschlossene Feld für die historische Kinder- und Jugendliteraturforschung, insbesondere auch hinsichtlich der Lesesozialisations- und Rezeptionsgeschichte. Weiterlesen