Call for Papers – Jahrestagung der GKJF 2022

34. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung (GKJF)26. bis 28. Mai 2022 in Wien – Stephanisaal/Stephansplatz (Donnerstag) und Kardinal
König Haus (Freitag und Samstag)
In Kooperation mit der STUBE – Studien- und Beratungsstelle für Kinder- und Jugendliteratur, Wien)

Körper und Körperlichkeit in Kinder- und Jugendliteratur und -medien

Call for Papers:
Die 34. Tagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung (GKJF) setzt sich zum Ziel, der vielfältigen Inszenierung, Gestaltung und Präsentation von Körper und Körperlichkeit, die in der Kinder- und Jugendliteratur verhandelt wurden und werden, nachzuspüren. Neben faktualen Werken wie beispielsweise Sach(bilder)büchern, die sich mit menschlichen und/oder animalen Körpern auseinandersetzen und im Kontext der aktuellen Diversitätsdebatten die Vielfalt von Körpern thematisieren und dabei auch Normalitätsvorstellungen in Frage stellen, war und ist Körper(lichkeit) auch in der erzählenden Kinder- und Jugendliteratur ein zentrales Thema: Von den sexualmoralischen (Selbst-)Beschränkungen der Kinderliteratur über die Aufklärungsbücher, von der Tabuisierung bis hin zu Thematisierungen von Sexualität und Körper aus emanzipatorischer und antiautoritärer Sicht lässt sich der historische Weg dieses Themas in der Kinder- und Jugendliteratur zurückverfolgen. Körper(lichkeit) wird dabei auch genrespezifisch unterschiedlich diskutiert und inszeniert. Dies reicht von Körperentdeckungen im Bilderbuch bis zu Körperlichkeit und Sexualität als Ausdrucksformen der Adoleszenz in Jugendromanen. Die Fantastik erweitert diese Bandbreite um Verhandlungen über den untoten, hybriden Körper, während in der Future Fiction immer wieder das Spannungsfeld zwischen human und non-human bzw. posthuman body bespielt wird.

Der Körper ist dabei ein Ort des Privaten, der Intimität und der Selbsterfahrung – der Nullpunkt der Orientierung, wie Edmund Husserl den Leib bezeichnet. Von ihm aus orientiert sich der Mensch, definiert oben und unten, links und rechts. Er wird zum Schauplatz von Selbstinszenierung, wie sie etwa in den unterschiedlichsten sozialen Netzwerken, aber auch darüber hinaus exzessiv zelebriert wird, zur Projektionsfläche von fremden und eigenen Erwartungen oder auch selbst zum Erzählraum, an dem sich Lebenserfahrungen – Lachfalten, Pockennarben, Tätowierungen – ablesen lassen. Auch wenn der eigene Körper immer auch ein Raum des Intimen ist, kann er mitnichten nur als privater Raum diskutiert werden, ist er doch niemals frei von politischen, sozialen und gesellschaftlichen und Diskursen: Er wird zum Austragungsort politischer Debatten, medial inszeniert, vermarktet und sexualisiert. Auch Diskussionen über die (gesellschaftliche) Hervorbringung von Geschlecht, über das Verhältnis von Körper und Geschlecht, von sex und gender in unterschiedlichen kulturellen Kontexten werden immer wieder im Kontext von Diskursen der Körperlichkeit geführt und finden auch in kinder- und jugendliterarischen Werken Niederschlag.

Körper (soma) vs Zeichen (sema) – das Spannungsfeld, das sich bereits etymologisch andeutet, hat seinen diskursiven Niederschlag auch darin gefunden, dass die Zeichenhaftigkeit des Textes immer wieder gegen die Performativität des Körpers ausgespielt wurde. Dass allerdings Körper und Text symbiotisch zusammenspielen (können), zeigt sich in der Literatur im Allgemeinen und in kinder- und jugendliterarischen Werken im Besonderen. Entsprechend ist Körper(lichkeit) nicht ausschließlich auf der Handlungsebene von Texten zu untersuchen, denn insbesondere die Kinder- und Jugendliteratur hat eine große Vielfalt an Gestaltungsformen und Präsentationen des Textkörpers hervorgebracht und auch der Buchkörper in seiner Materialität kann mit Blick auf das Zusammenspiel von Körper(lichkeit) und Zeichen(haftigkeit) untersucht werden.

Diesen hier umrissenen vielfältigen Dimensionen will die Tagung nachgehen. Dabei sollen sowohl inhaltliche als auch formale Betrachtungsweisen ins Zentrum gerückt, historische und gegenwartsbezogene Perspektiven eröffnet und fiktionale und faktuale Texte und Medien behandelt werden.

Mögliche Themen – immer mit Bezug auf die Kinder- und Jugendliteraturforschung – sind:

  • Körpernormen und Normalitätsvorstellungen in historischen und aktuellen Perspektiven (Bodyshaming, Bodypositivity)
  • Norm und Abweichung: deformierte/behinderte Körper, gesunde/kranke Körper
  • Körper und Diversity, Race, Gender, Class
  • Körper und Komik: Groteske und Karnevaleske Körper,
  • Politisierung, Vermarktung, Kommodifizierung und Sexualisierung des Körpers
  • Körper und Migration, Religion
  • Inszenierung von Körpern und Körperlichkeit in genre- und medienspezifischen
  • Tote, untote und hybride Körper: Human vs. Non-Human/ Post-Human Body, Cyborgs,Körper und Ethik, Artificial Intelligence
  • Kollektive Körper / metaphorische Körper
  • Faktuale Körper (z. B. in Sachbüchern)
  • Körperräume und Körper als Erzählräume
  • Postkoloniale Perspektiven auf exotisierte Körper
  • Textkörper, Hybridisierungen, Materialität, Intermedialität, Multimodalität

Wir hoffen auf Ihr reges Interesse und bitten um Zusendung von Vortragsangeboten (von maximal 30 Minuten Dauer) bis zum 09.01.2022.

Ihrem Vorschlag sollte ein kurzer Aufriss des Vortragsthemas beigefügt sein.

Bitte beachten Sie bei der Einreichung Ihrer Abstracts (von ca. 300 Wörtern) folgende Anforderungen:

Die Abstracts sollen in einer kurzen inhaltlichen Zusammenfassung den Bezug zu theoretischen Positionen herstellen sowie die Literatur und ggf. Primärquellen nennen, auf die sich der Vortrag stützt. Damit die Vorträge zu einem Programm im oben beschriebenen Sinn zusammengestellt werden können, sollte sich der geplante Vortrag einem der oben aufgelisteten Schwerpunkte zuordnen lassen.

Bitte senden Sie Ihre Vorschläge per E-Mail an: u.dettmar@em.uni-frankfurt.de

Mit freundlichen Grüßen

Ute Dettmar, Andre Kagelmann, Ingrid Tomkowiak, Heidi Lexe